Ladeneinrichtung / Regalsysteme

Ladeneinrichtung und Möblierung
Gibt es Läden ohne eine Einrichtung? Zuerst muss man sich einmal überlegen, was unter "Ladeneinrichtung" verstanden wird.
Aus der Sicht des Planers muss dem Ladenbesitzer oft gesagt werden, dass der Laden keine Wohnstube sei und man diese Möblierung nicht zu persönlich nehmen darf. Die Einrichtung ist ein Arbeitsinstrument, welches als Warenträger dient und dem Verkaufsraum mit Design eine bestimmte Note für den Marktauftritt vermittelt.
Es ist klar, dass ein Bijouteriegeschäft eine ganz andere Ladeneinrichtung verlangt als zB. ein Hobby-Markt für Heimwerker, aber auf beiden Verkaufsflächen muss Ware präsentiert und verkauft werden und in beiden Verkaufsräumen wird eine ganz bestimmte Raumathmosphäre verlangt.
Grundsätzlich plane ich gemäss dem Sortiment des Geschäftes und den Bedürfnissen des Konsumenten die Ladeneinrichtung.

Einrichtungs-Systerne
Wenn wir geschichtlich etwas zurück schauen, so wurden Ladeneinrichtungen noch bis ca. 1950 ausschliesslich ohne ein System angefertigt. Es waren massive Holzmöbel, in den Formen starr und meist auf Mass angefertigt.
Danach wurden aus dem Lagerbereich Stellschienen für Tablare verwendet. Mit dem Aufkommen der Grossverteiler entwickelten sich dann die Ladenbausysteme, vorab in Metallkonstruktionen. Ein klares Ständersystem mit Tablaren in verschiedenen Abmessungen entstand. Den Bedürfnissen entsprechend wurden dazu die verschiedensten Warenträger entwickelt, sei das speziell für einzelne Branchen oder Warengruppen.
Die Abmessungen wurden international angeglichen. Man spricht hier oft von einer Normierung, doch ist dies immer noch etwas übertrieben. Nur gewisse Masse entsprechen den Normen der internationalen Verpackungen.
Bei den Achsmassen (Ständerabstand) gelten heute die folgenden Masse: 600 mm + 1200 mm, 625 mm + 1250 mm, 650 mm + 1300 mm, 700 mm, 800 mm, 1000 mm.
Die Wahl des richtigen Systems ist abhängig von der Ladengrösse und dem Sortiment. Mir scheint wichtig, dass konsequent mit dem gleichen Systemmass gearbeitet wird. Nur so kann innerhalb der Ladenfläche auch jederzeit umgestellt werden.
Ganz wichtig ist, dass Warenträger vom Mittelraum auch in den Wandanlagen eingesetzt werden können und umgekehrt.
Die verschiedenen Ladenbauunternehmungen haben meist ihre eigenen Systeme. Eine Kompatibilität gibt es (leider...) nicht. Man kann also ein Tablar vom Lieferanten X beim System von Y nicht einhängen. Der Entscheid für ein bestimmtes Ladenbausystem hat den Nachteil, dass wir dadurch abhängig sind von einem Lieferanten. Darum muss die Wahl dieses Unternehmers sehr gut geprüft werden. Wenn man mit einer Filiale erweitert, sollte man seinem System treu bleiben. Das garantiert, dass man Warenträger nicht doppelt in Reserve haben muss. Man kann so innerhalb der Geschäfte erweitern oder reduzieren.
Heutzutage gibt es eigentlich für alle Bereiche geeignete Ladenbausysteme. Es ist die Aufgabe des Planers, diese richtig einzusetzen, damit der Laden als Arbeitsinstrument erfolgreich funktioniert.

Daran sollte man denken!
Bevor man sich für ein Ladenbausystem entscheidet, sollte man selber eine Mustereinrichtung ausprobieren können. Die Elemente müssen leicht und ohne Schwierigkeiten für jeden Laien verstellbar und auswechselbar sein. Die Materialbeschaffenheit und Statik muss den gewünschten Anforderungen entsprechen.
Ich rate Ihnen, mit ihrem Ladenbauplaner verschiedene Ladeneinrichtungen zu besichtigen. Sie können dadurch viele neue Ideen gewinnen und sich vom Fachmann beraten lassen.
Ich achte speziell darauf, wie eine Einrichtung wirkt: grob, dominierend oder elegant. Was ist Ihnen wichtiger, dass die Einrichtungselemente oder das Sortiment gut zur Geltung kommen? Es gibt viele Details, auf die zu achten ist. Nachfolgend nenne ich einige wichtige Punkte:

Tablare/Fachböden
Das Tablar ist der am meisten verwendete Warenträger in einer Verkaufsfläche. Welche Art von Tablaren kann man verwenden?
- Glastablare Klarglas, Gussglas, Drahtspiegelglas
- Holztablare Normtablare beschichtet mit einem Kunstharzbelag, roh, lackiert
- Metalltablare pulverbeschichtet, einbrennlackiert, lackiert
- Gittertablare plastifiziert, pulverbeschichtet, einbrennlackiert, lackiert, verchromt

Schubladen
"Wir brauchen viele Schubladent". Ein Satz, den man als Planer oft hört. Dem kann man nur entgegenhalten, wozu braucht man die Schubladen wirklich? Eine Analyse im bestehenden Laden zeigt oft, dass Schubladen schlecht genutzt werden und teilweise gar nicht nötig sind. Hier muss richtig entschieden werden.
Schubladen sollte man nur dort einsetzen, wo diese nötig sind. Es ist die richtige Abmessung zu wählen. Bei Kleinartikeln sollten die Schubladen innen immer eine Unterteilungsmöglichkeit haben. Nur so hat man darin auch Ordnung.
Bei den Schubladengriffen muss man darauf achten, dass diese nicht zu weit vorstehen und keine scharfkantigen Ecken haben, denn das kann zu sehr schmerzhaften Verletzungen führen.

Spezial-Warenträger
Für viele Bereiche benötigen wir Warenträger, die auf ganz bestimmte Sortimentsgruppen ausgerichtet sind. Hier helfen auch die Produktelieferanten mit eigenen Systemen, die oft kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Z.B. gibt es von den Lieferanten Einsätze für Kosmetika.

Spezial-Anfertigungen
Wir unterscheiden bei den Spezialanfertigungen im Ladenbau ganze Einrichtungen und Einzelemente innerhalb einer Ladenbau-Systemeinrichtung.
Bei fast jeder Ladeneinrichtung gibt es noch spezielle Anpassarbeiten wie Eckverbauten, Pfeilerverkleidungen, Anpassungen bei Türen. Hier wird wiederum auf eine mögliche Vereinfachung geachtet. Was kann für die Verkaufsfläche bezüglich Material oder Abmessung einheitlich erarbeitet werden?

Die individuell gestaltete Einrichtung
Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Unter der Verwendung von sogenannten Normteilen kann man mit einfachen Ergänzungen das Design ganz wesentlich prägen. Damit hebt sich die Einrichtung von der Norm ab und kann auf den gewünschten Marktauftritt eines Ladens gezielt Einfluss nehmen.
Es macht wenig Sinn, das Rad neu zu erfinden und eine völlig neue Ladeneinrichtung herzustellen, wenn die nötigen Teile bereits vorhanden sind. Aus diesen muss nur das Beste gemacht werden.
Innerhalb einer Verkaufsfläche können besondere Akzente mit Tischen, Korpussen und Vitrinen gesetzt werden, wenn diese individuell gestaltet und gearbeitet sind. Bei solchen Punkten im Laden sollte man den Mut haben, mit entsprechenden Materialien und Farben zu arbeiten. Es ist Aufgabe des Planers, bei der Budgetierung eine geeignete Aufteilung von Normelementen und Spezialanfertigungen vorzunehmen. Der optimale Einsatz der vorhandenden Mittel garantiert eine erfolgreiche Verkaufsraumgestaltung.

1. Regalsystem mit Profilstangen
Das System mit Profilstangen war bis vor einigen Jahren das üblichste System. Der Aufbau dieses Systems besteht aus Profilstangen oder auch Wandständer genannt. Daran wird das Sockelpodest mit dem Bodentablar und die Tablare mit Konsolen eingehängt. Die Profilstangen werden mit Rückwänden abgedeckt.
Diese Systeme bieten gegenüber anderen sehr viele verschiedene Zubehörteile an. Zum Beispiel Ausstellvitrinen, spezielle Büchertablare, Prospekthalter, Stufentablare, Aktions- oder Beratungstische, Gitterroste für Haken, Beleuchtungsblenden, Beschriftungsblenden, um nur einige zu nennen. Diese Zubehörteile sind meist genormt und dementsprechend vom Preis her attraktiv.

2. Regalsystem mit festen Seiten
Bei diesem Wandregaltyp werden die Tablare bei jedem Abteil durch Seiten abgetrennt. Dadurch kann das Sortiment gezielter in Blöcke aufgegliedert werden. Diese Art von Wandregalen gibt es mit oder ohne Rückwände. Blenden werden häufig über die Seiten gezogen. Ich rate aber bei kleineren Ladeneinrichtungen unter 100 m2 davon ab, da Blenden den Laden optisch verkleinern.
Ein positives Merkmal dieses Regaltypes besteht im Aufteilen von Sortimentsblöcken und beim Platzbedarf. Diese Regalart braucht ca. 6 cm weniger Tiefe als jene mit Profilstangen.
Diese Wandregale werden meist individuell angefertigt. So gibt es viele Möglichkeiten in Bezug auf Grösse und Ausführung. Dadurch kann der Kundenwunsch gezielter erfüllt werden.

3. Regalsystem mit Rund- oder Dreieckrohren
Dieses System lehnt sich an jenes mit Seiten an. Rund- oder Dreieckrohre dienen als Warenträger. Diese Profilstangen werden mit Distanz von der Mauer montiert. Die Tablarkonsolen werden seitlich eingehängt. Hier wird also ähnlich wie mit den Seiten das Sortiment in Blöcke aufgeteilt.
Dieser Regaltyp wirkt sehr leicht. Da die Profilstangen meist in Metallglimmerfarben lackiert sind, ist deren Ausstrahlung eher kalt.

Nutenwände
Nutenwände werden oft bei Gondelköpfen oder um Säulen eingesetzt. In die Nuten können dann diverse Warenträger eingehängt werden. In den Drogerien sind das meist Haken.

Metallgitter
Metallgitter sind eine Variante zu Nutenwänden. Auch hier können Haken eingehängt werden. Der Vorteil ist, dass bestehende Haken oder jene des Lieferanten gebraucht werden können und nicht speziell teure Haken angeschafft werden müssen. Man sollte aber darauf achten, dass die Haken jeweils horizontal exakt eingehängt werden.

Mittelgondeln
Mittelgondeln sind die üblichsten Mittelmöblierungen. In der Mitte der Gondel ist der Gondelständer mit der Rückwand und beidseitig daran werden die Tablare eingehängt. Die Stimseite dieser Gondel nennt man Gondelkopf. Sie kann auch zur Warenpräsentation genutzt werden.
Bei den Mittelgondeln soll man beachten, dass die Höhe nicht mehr als 130 cm, maximal 140 cm beträgt. Die Länge ohne den Gondelkopf soll 200 cm nicht überschreiten.

Halbgondeln
Diese Gondeln sind wie die Mittelgondeln aufgebaut. Hier kann man aber nur auf einer Seite die Tablare einhängen. Sie werden oft vor Schaufenstern platziert und sollten deshalb rollbar sein.

Kreuzgondeln
Diese Art von Mittelgondeln ist in Drogerien sehr im Trend. Sie präsentieren die Produkte rundum optimal. Auch können die Kunden freier durch den Laden zirkulieren. Hier können auch Sockelschubladen eingebaut werden. Der Platz unter der gesamten Gondel wird für eine grosse Schublade genutzt. Die Rollen müssen dem jeweiligen Bodenbelag angepasst werden.

Kassen
Kassen mit ihren entsprechenden Infrastrukturen haben einen zentralen Stellenwert in einem Laden. An ihrem Standort entstehen die meisten Kundenkontakte. Der Kunde soll sich hier wohl fühlen. Je nach Branche wiederspiegelt sich dieses Wohlbefinden unterschiedlich. In einer Apotheke oder Drogerie ist der Kassenstandort zugleich meist auch der Beratungsort. Hier möchte der Kunde vor allem gut beraten werden und dabei hat die Diskretion eine grosse Bedeutung. Im Tankstellen-Shop wiederum muss das Einkassieren sehr schnell abgewickelt werden können. Hat es eine Kolonne vor der Kasse, wird der Kunde kaum noch Spontankäufe tätigen. Bei der Planung von neuen Ladeneinrichtungen oder Renovationen sind deshalb folgende Kriterien zu berücksichtigen.
- Standort im Laden (Laden ist für das Personal gut überschaubar. Die Kunden sollen vor dem Erreichen der Kasse möglichst viel vom Laden gesehen haben)
- Wie wird der Kassiervorgang abgewickelt (Bedienung, Selbstbedienung, Wägeli, Körbli)
- Funktionalität (Jedes Ding am richtigen Ort. Kasse, Display, Kassenschublade oder Geldkasette, EC-Einlesegerät, EC-Bondrucker, Papiere, Taschen, Abfall, Taschenablage usw.)
- Branchenspezifische Gegebenheiten (Diskretion, grosse Packfläche, Zentrumslösungen)
- Zusätzliche Verkaufspunkte um die Kasse (Aussteller, Prospekte, Tester, Neuheiten, Aktionen, Vitrinen)
Die Kassenmöbel haben sich in den lezten Jahren stark verändert. Heute werden vermehrt kleinere Kassenkorpusse eingesetzt, die manchmal im ganzen Laden verteilt sind. Anderseits sucht man nach Lösungen, bei denen der Kassiervorgang mit allen anderen bedienten Dienstleistungen zusammen genommen werden kann um Personalkosten einzusparen. Es werden auch immer ausgefeiltere Aktions- und Neuheitenplätze rund um die Kasse entwickelt um beim besten Verkaufspunkt die Präsentationsmöglichkeiten optimal auszunutzen. Durch die neuen Fertigungstechniken mittels CNC gesteuerten Maschinen in der Fabrikation sind runde oder ovale Formen heute kostengünstig und ohne grossen Mehraufwand zu erstellen. Gerade im Zusammenhang mit Feng Shui sieht man diese Formen vermehrt. Der Trend geht heute in Richtung mobiler Kassen, die drahtlos mittels Funkverbindung mit dem Server jederzeit im ganzen Laden und in der Mall einsatzbereit sind. Diese zusätzlichen mobilen Kassen sind bei Stosszeiten oder bei Aktionen sehr hilfreich. Die Erfahrung zeigt, dass oft mit kleinen Anpassungen rund um die Kasse viel erreicht werden kann.